Mir hilft manchmal das Gebet, das ein junger Jude, wenn ich mich recht erinnere, an die Wand des Warschauer Gettos geschrieben hat – ein sehr ermutigendes, erfreuliches Gebet:

»Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint.

Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre.

Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn nicht sehe.«

In Freud und Leid, Glück und Unglück dürfen wir Gott anreden.

Das ist die große Chance des Menschen, eine wahre Gnade, die Gnade Gottes selbst.

Hierin gründet alles Gebet und aller Gottesdienst.

Hans Küng

Aus: »Wegzeichen in die Zukunft. Programmatisches für eine christlichere Kirche«, Reinbek: rororo Sachbuch